Es ist wirklich unglaublich mit mir, schon wieder hätte ich fast meinen Zug verpasst! Alle die hier öfter mitlesen werden ein leichtes ‘schon wieder’ ausstoßend hoffentlich weiterlesen. Ich machs kurz. Ich bin eine halbe Stunde vorher weggegangen. Bei der Bushaltestelle angekommen musste ich erkennen, dass die Busse Richtung Termini (also die schnellen 86 und 92) nicht allzu bald vorbeikommen würden.
Von der Haltestelle (‘Nemorense’) fahren allerdings 4 Busse weg. Zusätzlich zu den vorher genannten auch 310, der einen großen Bogen über Piazza Bologna (kurz Bologna, also: “dov’è la festa? – in Bologna!”) macht und 20 Minuten braucht, und 63/630, der über Barberini recht schnell Richtung Corso d’Italia fährt.
Ich nahm Letzteren und stieg in Barberini (al volo) in die Metro A um. Beeilte mich dann zum Ausgang und eilte durch das Tunnelsystem um dann 1 Minute vor Abfahrt in einen beliebigen Waggon zu springen. Hauptsache ich war im Zug
Im zweiten oder dritten Waggon rollte der Zug an.
Freccia Rossa
Jetzt aber zum italienischen Hochgeschwindigkeitszug mit dem es sich sehr gut reist, der Freccia Rossa! Die FrecciaRossa (ETR 500) ist nicht, wie von mir fälschlicher Weise angenommen vom Typ ‘Pendolino’, wie er ursprünglich von Fiat Ferroviaria produziert wurde, sondern vom Typ ‘ETR 500′, der vom consorzio TREVI geplant wurde. Der Unterschied ist, dass der ‘pendolino’ keine speziellen Gleiskörper braucht, sondern auch auf bestehenden Gleisen durch seine Pendel- und Neigungsfunktion 25-30% schneller fahren kann. Ein zweiter Unterschied ist, dass der Pendolino nach dem Baukastensystem verlängert werden kann. Man scheint allerdings draufgekommen zu sein, dass diese paar Prozent nicht ausreichen. Weitere technische Details verkneife ich mir bis ich einen eigenen Artikel darüber schreibe.
- Komfort
Die Sitze sind sehr bequem, sodass man auch nach ein paar Stunden noch gut sitzt. Die Waggons sind durchwegs offen, es gibt also keine Abteile stickigen Abteile
Alle Sitzplätze haben Tische mit Steckdosen. Und unter Tischen verstehen sie hier nicht diese eigenartigen instabilen Klappteile, wie sie in den Komfortabteilen der Öbb zu finden sind, sondern stabile Platten in angenehmer Schreib- und Tippposition. Gepäck lässt sich gut überkopf und unter, zwischen den Sitzen verstauen.
Bei ein paar Dingen wurde leider auch hier gesparrt. Die Mistkübel sind leider auch hier zu klein. Allerdings geht ein Putztrupp durch, der auch die Toiletten immer wieder reinigt!
WLAN on-board gibt es leider keines
Auch wenn man bekanntlich per UMTS Modem ins Internet kann, ist eine solche Verbindung aufgrund der vielen die Fahrtzeit reduzierenden Tunnels nicht sehr stabil. Das wäre einmal ein Verbesserungsvorschlag.
- Pünktlichkeit
Zum Thema Pünktlichkeit, dass ja bei den ferrovie leider oft gänzlich vernachlässigt wird. Ich kann euch erst nach dieser Fahrt sagen, wie meine Erfahrungen diesbezüglich sind. Bis jetzt sind wir pünktlich!
Wenn man dem Volksglauben glauben schenken kann, gibt’s die Probleme nur bei Zügen von Rom Richtung Süden
Habe im Zug nach Bari letztes Mal tatsächlich eine solche Aussage gehört. Ich habe zur Kenntnis genommen und herzlich darüber gelacht. Wir werden also sehen, ob ich dieses Postulat schon nach meiner ersten Fahrt gen Norden entkräften kann.
13 min Verspätung auf 4h 10 Fahrtzeit, da kräht in Italien kein Hahn danach! Aber pünktlich waren wir nicht.
- Preis
Nun zum Thema Preis. Billig ist bestimmt etwas anderes. Wenn man allerdings benötigte Zeit (4h 10min) und zurückgelegte Strecke (im Auto 712km) in die Statistik miteinbezieht, relativieren sich 90€ pro Strecke (Roma – Torino).
90€ / 712km = 0.12 €/km
Diesen Preis kann man als Nicht-Italiener weiter drücken. Und zwar mit einem Interrailticket für Italien. Ich zum Beispiel habe um 120€ eines für 3 beliebige Tage innerhalb eines Monats gekauft. Dazu kommen noch 10€ pro Sitzplatzreservierung in den Freccie! Das sind also 150€ für 3 Fahrten. Da kommt auch ein Billigflieger schwer mit.
- Konkurrenz zu Billigfliegern
Und apropos Billigflieger. Die Frecciarossa ist eine ernstzunehmende Konkurrenz! Auch wenn die effektive Fahrtzeit länger ist, fallen die Zeiten des zum Flughafen Fahrens, früher dort Seins, der Wartezeiten beim Ein- und Aussteigen und die Fahrt ins Stadtzentrum am Ankunftsort weg.
- Geschwindigkeit
Zieht man von den 4h 10min noch 7 min pro Station für das Ein- und Aussteigen ab, ergibt sich eine Fahrtzeit von 3h 49min. Damit komme ich auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 712 km / 3.83 h (überschlagen) = 185.9 km/h
Weiters hat man wesentlich mehr Platz als in den Sardinenbüchsen von Ryanair, Easyjet und Konsorten! Man kann angenehm Blog schreiben, hat Internet, kann telefonieren, und spazieren gehen
Jetzt bin ich bald da, und freue mich schon darauf Fabio und Domenico zu treffen!
Roma 8.40 -Firenze Campo Marte – 9.58 – Bologna Centrale 10.57 – Milano 11.57 – Torino 12.53 (10.40)


Da staunt der Maschinenbauer über so viele interessante technische Detail. Bitte um einen Kommentar noch zu Geräusch- und Vibrationen. Bei der ÖBB muss man ja ziel-tippen, damait man seine Tasten am Labtpo trifft.
Schöne Tage in Turino, AL_PA