Schon im Jahr 1945 sprach sich Luigi Einaudi, bekannter Ökonomist, Politiker und Journalist, gegen die Formierung einer Gilde der Journalisten aus, die laut Gesetzesvorschlag kontrollieren sollte, wer das Recht hätte Politiker zu sein und wer nicht.
Er hat die Motivation für seine Haltung folgendermaßen, klar und einleuchtend, argumentiert. Jeder der glaube neue eigene Ideen oder auch fremde Ideen auf eine, seiner Meinung nach, bessere Weise präsentieren zu können, sollte die Möglichkeit haben, Journalist zu werden. Oder in die Moderne transferiert auch Blogger.
Wenn man diese erste Idee nun weiterverfolgt, wird schnell klar, dass es ist möglich sein sollte, das ein Journalist von einem anderen soweit bewertet werden könne, auch nicht wenn dieser Zweite, der Präsident des Aufsichtsrat dieser Gilde ist. Und zwar dahingehend, dass ein Journalist über einem anderen stehe und so die Publikation des Ersteren verbieten könnte, was er logischer Weise auf Grund der Konkurrenz machen würde, stünde ihm der Unterläufel oder dessen Ideen, Publikationen nicht zu Gesicht.
Und genau diese Frage, also die, die Gilde der Journalisten wurde unlängst (wenn auch nicht von Seiten der Regierung oder der regierungsfreundlichen Zeitungen) wieder aufs Tapet gebracht. Was hält ihr davon?
Ich möchte gleich zu bedenken geben, dass eine solche Registrierung auch für Blogger im Gespräch ist. Oder vielmehr im Gesetzesvorschlag zum lodo Alfano – legge bavaglio drin steht. Es ist vorgesehen, dass sich Blogger unter Hinterlegung von 3000€ registrieren müssen, und wann immer es dem Gesetzgeber in den Sinn kommt, auf Anfrage, innerhalb von 48 Stunden Rechenschaft über das Geschriebene ablegen müssen. Im Falle der Zuwiderhandlung, sind hohe Strafen vorgesehen, die einem normalsterblicher Blogger, der mit seinen Artikeln im Vergleich zu Herausgebern nichts verdient, durchaus teuer zu stehen kommen könnten.


Jetzt wühl ich mich – durchaus mit Interesse! – durch die umfangreiche Darststellung der italienischen Politik und hab vorläufig nur eine Frage und eine Feststellung:
- Was kann man sich unter “Gilde der Journalisten” vorstellen? Ist das so was wie eine Gewerkschaft ?
- Sollte der Blogbetreiber Joprie mit einer Geldstrafe bedacht werden, so würde ich mich an die Spitze eines Komitees stellen, um unter den Lesern des Blogs “Tutte le strade portano a Roma” Spenden zu sammeln!
Weiterhin alles Gute wünscht
PE
Gilde: Das Wort kommt, wenn mich nicht alles täuscht, aus dem Mittelalter. Da war eine Gilde die Gemeinschaft aller der, die dem gleichen Berufsstand angehörten. [1] Die sog. Ordine dei giornalisti stellt, soweit ich weiss, eine ebensolche Interessensvertretung dar. Nur muss jeder, der Journalist sein will, dieser angehören. Und diese Imteressensvertretung hat eben auch ein Komitee, das jemandem den Journalistenstatus aberkennen kann.
Deine Zusage freut mich sehr, da ich glaube, dass man nur durch Information eine so verfahrene Situation, wie sie hier vorherrscht, nachhaltig verändern kann.
Mit offenen und auch unangenehmen Informationen, setzt man sich natürlich einem Risiko aus. Da ist es sehr gut, um einen Rückhalt zu wissen!
[1] … http://de.wikipedia.org/wiki/Gilde_(Kaufleute)
So eine Gilde klingt schon recht nach Maulkorb. Sicher haben Journalisten auch große Verantwortung, aber wie soll denn das mit der Pressefreiheit vereinbar sein, wenn es Leute gibt die anderen verbieten können, sich journalistisch zu betätigen? Die ursprünglichen Gilden waren wie im von dir verlinkten Artikel beschrieben auch auf Monopolisierung ausgerichtet, etwas, das im Journalismus nicht wünschenswert sein kann. Eine Interessensvertretung von Journalisten ist sehr sinnvoll, aber Exklusivität wäre hier glaube ich kontraproduktiv.
Die Qualitätskontrolle für Journalisten sollte doch eigentlich der kritische Leser sein. Und untereinander können Journalisten ja wohl hoffentlich mit der Feder streiten. Wenn das auf hinreichend hohem Niveau passiert kann das ja für die Leser durchaus unterhaltsam und informativ sein.
Liebe Grüße aus dem regnerischen Graz,
Paul
Willkommen, Paul!
So sehe ich das auch. Hier ist das Problem der Monopolisierung und damit einhergehend der Kontrolle von EINEM ‘Aufsichtsrat’ aus, meiner Meinung nach, um noch einiges gefährlicher: Der Grund ist, dass eine einzelne Kommission sehr einfach von politischer Seite infiltriert werden kann. So wie es hier seit einigen Jahren in der gesamten Medienlandschaft passiert ist bzw. von der Regierung durch Gesetzesänderungen gepflegt wurde. Die Fernsehsender sind fest in der Hand der Regierung, also in Berlusconis Hand und sehr viele Zeitungen und Verlage gehören wenig indirekt (Bruder: “Il Giornale”, Tochter: Verlag-”Mondadori”) auch ihm und schreiben ihm damit nach dem Mund.
Ich glaube auch, dass der Wettbewerb im Journalismus uneingeschränkt (solange über der Gürtellinie, auch wenn diese in Italien weiter unten ist) stattfinden sollte. Sollte ein Journalist wirklich falsche Meldungen verbreiten, wird sich das herumsprechen und ihm bald niemand mehr glauben. Die Medienlandschaft sollte sich streng unabhängig von der Politik selbst regulieren. Das wäre der Traum.
Doch was hier hinzukommt ist ein Faktum, das euch jetzt wohl aufhorchen lässt. Laut einer Studie – ich habe die Zahl aus einem Buch, sind 60% der Italiener nicht im Stande einen Zeitungsartikel zu erfassen. Das Problem hier ist eine Art von Analphabetismus.
Also ist das ‘wenn einer Unwahrheiten publiziert wird es sich herum sprechen’ wohl etwas hochgegriffen, ja, einfach zu viel erwartet. Der Ottonormalverbraucher bezieht seine Information aus dem Fernsehen (69% bilden sich ihre Meinung ausschließlich dort) und glaubt natürlich, dass diese schon richtig ist. Hört er dich sagen, dass das was sie gestern Abend im Fernsehen gebracht haben nur die halbe Wahrheit war, sagt er logischer Weise: woher hast du das? Sagst du aus einem Buch oder aus einer nicht regierungsfreundlichen Zeitung (repubblica, il fatto quotidiano, …), kommt ein Schwall von: Ist ja nicht wahr, was die schreiben! Die Lügen ja alle! … (dagegen spricht, dass die meisten Urteile wegen Diffamierung, für die Journalisten ebendieser Blätter positiv ausgehen, d.h. mit deren Freispruch)