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Hiermit melde ich mich zurück. Habe wunderbare Tage auf Elba verbracht und konnte von dem Zeitpunkt meiner Rückkunft an, kaum mehr an mich halten zu schreiben… hatte mich aber dann doch für eine ausgiebige Ruhephase entschieden. – Doch zurück zum Thema ‘Politik’
Aus den ersten zwei Artikeln ist euch wohl die schwierige Phase, die die italienische Regierung gerade durchmacht, in Erinnerung geblieben. Rücktritte (auch von Ministern), Korruptionsskandale und eine womögliche Wiedergeburt der Loggia P2 – jetzt P3 – beschäftigt die italienischen Medien. Es sei dazu gesagt, dass, wie immer, vom Fatto Quotidiano und Repubblica/L’Espresso abgesehen, kaum über das tatsächliche Geschehen berichtet wird.
Trotzdem wollte ich heute über einen Artikel, besser gesagt ein Interview mit Massimo D’Alema, aus dem Corriere della Sera berichten, der zumindest politisch unabhängig ist, auch wenn im Moment eine starke Sympathie zur Regierung festgestellt werden kann.
D’Alema, der seine Wurzeln in der PCI (Kommunistische Partei Italiens) hat, ist ein mittlerweile langjähriger Politiker der PD. Er war bereits Premier (Kanzler) und Aussenminister und war sogar für den Posten des Staatspräsidenten angedacht, stand schließlich aber doch nicht zur Wahl.
In diesem Interview spricht er über die prekäre Lage der Regierung und mögliche Lösungen des Problems:
“Momentan sind die Perspektiven ungewiss wo hingegen die Krise (der Regierung adr) garantiert ist.”, so beginnt D’Alema das Gespräch, aber er scheint das ernst zu meinen, “ich meine, dass welche Überlegungen zur Verbesserung der politischen Perspektiven von der großen Sorge um den status quo der Regierung ausgehen muss. Und ich nicht das Berlusconi sich dessen bewusst ist, wenn ich ihn weiterhin überoptimistische Meldungen um sich werfen sehe” Was macht die Opposition? Betreibt sie Schwarzmalerei? “Das Problem hier ist nicht die einen als Optimisten und die anderen als Pessimisten zu deklarieren. Wir alle glauben daran, dass dieses Land die Möglichkeiten hat sich (von dieser Krise) zu erholen, aber das wirkliche Problem ist nicht nur das wirtschaftliche. Vielmehr gibt es auch eine Krise der Moral, der Glaubhaftigkeit des Staates, gegenüber dieser es aufgrund der fehlenden beeindruckenden politischen Führungskräfte (noch) keine Antwort gibt. Berlusconi sucht inzwischen einen Fluchtweg indem er versucht ein politisches Gleichgewicht zu erzeugen (Gespräch mit Casini), das das Bestehendende am Besten weiterführt. Zu diesem Zweck hat er auch etwas unbeholfen versucht Casini wieder mit ins Boot zu nehmen, um die Mehrheit der Regierung zu stärken. Aber die relevante Frage ist nicht die, wie man das sinkende Schiff über Wasser hält, sondern wie man aussteigt.”
Und wie kann man sich aus dieser Situation manövrieren, ehrwürdiger D’Alema? “Wir müssen eingestehen, dass die lange Phase der berlusconschen Parabel vorbei ist. Er war im letzten Jahrzehnt der wichtigste Schiedsrichter im öffentlich Leben und hat dabei 8 Jahre lang dieses Land regiert. Das Gesamtergebnis dieser Erfahrung ist durchwegs negativ. So glaube ich zum Beispiel nicht, dass es Berlusconi nächstes Jahr mögliche wäre vor die Versammlung der Industriellen zu treten und zu sagen, dass er die Steuern senken, die öffentliche Verwaltung vereinfachen, den Staat modernisieren will, und neuerlich Applaus bekommen wird.
Tatsächlich ist nämlich das Gegenteil passiert. In den vergangenen Jahren sind die Steuern angestiegen. Die Ineffizienz und die Korruption im Staatsapparat sind mehr geworden, und haben Dimensionen angenommen, die sowohl in Ausmaß als auch Schwerheit an die der frühen 90er Jahre erinnern. (siehe Tangentopoli, Mani pulite). Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) ist seit dem Jahr 2009 unverändert: es ist gleich wie jenes im Jahr 2000, während die öffentlichen Ausgaben in der Zwischenzeit um 6 Punkte gestiegen sind. Zusammenfassend, ein Desaster, wofür man schwer beschönigende Worte finden kann.”
Sie zeichnen da schon ein sehr dunkles Bild, oder… “Wir befinden uns vor einer tiefroten Jahresbilanz, die den Staat in eine Notsituation bringen wird. Und eine Führungsklasse, die diesen Namen verdient, müsste in so einem Fall folgendes sagen: kommen wir einen Moment zur Ruhe, sonst geht Italien den Bach runter, und suchen wir nach Abhilfe. Logischerweise betrifft dieser Diskurs alle politischen Kräfte. Das heißt, meiner Meinung nach, dass es keine Abkürzungen gibt: Aus einer derartigen Krise steigt man nicht einfach so mit einer juridischen Maßnahme (wie 92′ mani pulite adr) aus, wie sich ein Gutteil der Opposition vorstellen könnte, oder durch eine Kampagne in der man zu Recht und Ordnung (Moral) aufruft.
Ich bin natürlich dafür, dass man Justiz arbeiten lässt und jene Personen, die schwerer Verfehlungen beschuldigt werden oder derzeit in einem Prozess angeklagt sind, zurücktreten. (was ja besonders in den letzten Jahren gänzlich aus der Mode gekommen ist adr) Was das betrifft erkenne ich aber eine positive Wendung aus dem Rücktritt von Consentino, Brancher und Scajola. Aber gleichzeitig ist es diese Vielzahl an Rücktritten, die uns vor Augen führen sollte, dass wir vor einem großen Problem stehen.
Die über uns hereingebrochene Krise ruft nach einer höheren politischen Qualität, wobei ich ausschließe dass Berlusconi dies bewerkstelligen könnte, da ich nicht glaube, dass er es, wie Münchhausen schafft, sich selbst aus dem Tief zu ziehen. Auch glaube, dass man sich diese Frage auch innerhalb der PDL stellt.” Ehrwürdiger D’Alema, sie scheinen das Bild einer Regierungskrise in nicht ferner Zeit zu zeichnen. Wenn es nun tatsächlich so eintreten sollte, gibt es verschieden Möglichkeiten. Entweder sofortige Neuwahlen, oder aber eine Übergangsregierung. “Die Möglichkeit der Neuwahlen besteht objektiv gesehen. Aber ich bin einverstanden mit dem Inhalt des Briefes, den euch (dem Corriere della sera) Mancuso geschrieben hat: Ich stelle fest, dass Neuwahlen basierend auf dem derzeitigen Wahlgesetz, wo man also Berlusconi die Vertrauensfrage stellt, keinen Sinn hätte. Es ist vielmehr notwendig sich in diesem Moment der Verantwortung zu stellen, sich mutig den Problemen dieses Staates zu stellen. Wir brauchen einen neue soziale Übereinkunft. So wie es in den 90ern eine Übereinkunft zur Sanierung des Staates gab, brauchen wir heute eine Übereinkunft darüber, wie wir unserer Wirtschaft zu Wachstum verhelfen. Zu Alldem ist die momentane Regierung nicht in der Lage, von jeglicher Wertung abgesehen, hat sie nämlich jegliche Glaubwürdigkeit verloren.”
Der Chef der UDC, Pierferdinando Casini, hat in einem Interview für den Corriere della Sera eine andere Lösung als Neuwahlen vorgeschlagen: Er denkt vielmehr an die Möglichkeit einer Regierung delle larghe tese (‘breite Mehrheit’). “Wenn es sich dabei um kleine Rochaden rund um Berlusconi handelt, halte ich das für sinnlos. Es hat allerdings einen Sinn, wenn es sich dabei um einen Aufruf zur Verantwortung handelt, mit der man eine neue Phase durch Berufung einer Übergangsregierung, di larghe tese, oder wie auch immer man diese nennen will, einläutet, erscheint es mir sinnvoll.
Logischerweise kann eine solche Regierung in einer in zwei große Machtblöcke geteilten Demokratie, wie es Italien ist, nur vorübergehend von Interesse sein, gekoppelt an präzise Ziele, wie die Reform des Wahlgesetzes, das die zwei Machtblöcke auf der Personifizierung der Politik begründet hat. Weiters soll festgesetzt werden wie ein sinnvoller Ausgleich zwischen Nord und Süd in Form des Föderalismus aussehen kann, um zu verhindern, dass dieser Konflikt das Land immer mehr entzweit. Es handelt sich dabei (Übergangsregierung adr) um eine in meinen Augen sinnvolle Idee und ich glaube, dass die größte Oppositionspartei (PD) tatsächlich dazu bereit sei, die Sinnhaftigkeit eines solchen Manövers einzusehen.”
Um bei den Tatsachen zu bleiben: Pierferdinando Casini meinte, dass die PD zur der Bildung einer Übergangsregierung unter der Führung Giulio Tremontis (PDL, und derzeitiger Finanzminister) bereit sei. “Das scheint mir eine überstürzte Interpretation und vorallem glaube ich, dass das Getratsche über etwaige Namen maximal der Lösung des Problems im Wege steht.”
Meinen sie nicht, dass sie die momentanen Probleme etwas überzeichnen? Es könnte sich doch bei der momentanen Krise auch nur um eine vorübergehende handeln, nach der Berlusconi weiter bis zum Ende der Legislaturperiode regiert. “Es ist auch der Spitze der Mehrheit wohl bekannt, dass das derzeitige Gleichgewicht nicht mehr lange hält, es gibt bereits zu viele Zeichen des Zusammenbruchs.
Aber wer könnte es sein, der derart verschiedene politische Kräfte unter einen Hut bringt? “Diese Entscheidung hat, wie Sie wissen, der Bundespräsident zu treffen.”
Und was um Alles in der Welt sollte die PDL dazu bewegen Berlusconi abzusetzen, um eine Übergangsregierung bestehend aus der Opposition auf die Beine zu stellen? “Es ist klar, dass man, sollten diese Ideen bei der derzeitigen Mehrheit kein Gehör finden, an Neuwahlen nicht vorbeikommen wird, da die Situation so wie sie mittlerweile ist, nicht mehr ertragbar ist. Wenn es aber innerhalb des PDL Funktionäre geben die sich um das Wohl des Staates sorgen, und nicht nur Höflinge – und ich glaube eben nicht daran, dass unter ihnen nur Höflinge sind, da sie bei der Wahl die Unterstützung vieler Millionen Italiener bekommen haben – ist dieses Manöver durchführbar. Einfach gesagt muss die PDL unter Beweis stellen, dass sie eine politische Partei und damit mehr als ein Sultanat (das nur aus einer Person im Vordergrund besteht, die die Richtung vorgibt: i.e. Berlusconi adr) ist. Die Parteien in den modernen Demokratien sind es nämlich, die die Möglichkeit haben auf das wohl ihres Volkes zu schauen, und zwar auch fernab von der Meinung des Leadership ihre Positionen zu ändern. Und eben für diesen Parteien stellt diese Situation eine große Prüfung dar.”
Die zwei Texte sind hoffentlich lang genug um die Interessierten unter euch solange zu beschäftigen. Fragen sind ja scheinbar noch keine aufgetaucht.
Da ich kurzfristig kurz ans Meer fahre, folgt der nächste Artikel erst am späten Samstag und sonst bestimmt am Sonntag.
Freue mich schon auf eure Fragen (auch Basisfragen… irgendwann habe auch ich angefangen),
Johannes
Heute früh hat Fabrizio Cicchitto in der Camera dei Deputati (‘Unterhaus’) sowohl ‘Il Fatto Quotidiano’ als auch einen seiner prominentesten Journalisten, Marco Travaglio, als Auslöser der wilden Aggression, die den in psychischer Behandlung befindlichen Massimo Tartaglia zu seinem Attentat auf Berlusconi gebracht haben, bezeichnet.
Dies drückte der Klubchef der PDL folgendermaßen aus:
“Die Hand dessen der Berlusconi angegriffen hat wurde bewaffnet von einer Hetzkampagne des Hasses: jeder sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein” (bewusst im Wortlaut) Weiter meint er: “Hervorgerufen wird diese von einem Netzwerk, bestehend aus der Verlegergruppe Repubblica-L’Espresso, dem Hausblatt der Staatsanwaltschaft ‘Il Fatto Quotidiano’, der Sendung Annozero von Santoro, und diesem Medienterroristen Marco Travaglio.”
Es sollte allen klar sein, dass die Journalisten von ‘Il Fatto Quotidiano” sowie die anderen Genannten von jetzt an gefährdet sind. Harte Worte eines wichtigen Funktionärs aus den Reihen der relativen Mehrheit geraten wir (Journalisten) alle ins Fadenkreuz. Trotzdem machen wir uns weiterhin keine großen Sorgen. Schließlich wissen wir, dass die Italiener besser sind als die von denen sie im Parlament repräsentiert werden. Diese wurden nämlich nicht vom Volk direkt gewählt, sondern viel mehr vom derzeitigen Regierungschef berufen. Die große Mehrheit der Italiener, ob politisch links oder rechts, betrifft dieses Klima des Hasses, angeblich von unseren Politikern mit Absicht auf einen wenig größeren Wahlerfolg, nicht.
Und das, was Cicchitto eine Kampagne nennt, ist nichts Anderes als die Verfolgung und das Berichten des Tagesgeschehens. Es ist unser Job von diesen Tatsachen zu berichten und was auch immer passieren möge, werden wir nicht damit aufhören.
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Speziell dieser Artikel gibt einen sehr guten Einblick in die derzeitige Tagespolitik. Die Regierung versucht sich durch einen wilden Rundumschlag sei es gegen die Medien (die nicht kontrollierten Zeitungen und Medienevents) und die jeweiligen Journalisten sei es die Staatsanwaltschaft die sich in ‘interne’ Angelegenheiten einmischt und den obersten Gerichtshof, der noch immer Gesetze auf ihre Konformität gegenüber der Verfassung überprüft, aus ihrem Schlamassel (siehe voriger Artikel) zu befreien.
Wie ich gemerkt habe, ist so ein Artikel nicht immer kurz. Ich habe hier Teile eines Artikels aus “Il fatto Quotidiano – online – 18.7.2010″ wiedergegeben. Diese Zeitung ist eine der freisten und damit besonders offen kritisch gegenüber der Regierung. Sie wurde letzten Herbst ins Leben gerufen und ist die Einzige die keine staatlichen Subventionen erhält!
Los geht’s
Die Regierende Partei ‘Popolo della Libertà’ ist dem Zusammenbruch nahe. Die Situation gleicht in erschreckendem Maße der im Jahr 1992, als die Partei Craxis PSI (Partito Sozialista) von der Aktion ‘Mani pulite’ stark gezeichnet, von der Bildfläche verschwand, nachdem etliche Fälle von Korruption aufgedeckt worden waren und etliche ihrer Funktionäre eingesperrt wurden. Jetzt trifft es eben die Partei Berlusconis, die jedoch anders als damals die PSI auch von Innen her fault. Was seit langer Zeit prophezeit wurde, scheint sich zuzuspitzen. Ein Indiz dafür ist, dass mittlerweile sogar in der Regierung wohlgesonnenen Zeitungen, wie ‘Libero’ Aussagen wie diese fallen:
“… es herrscht ein Klima des Umschwungs (Ende der Regierung), in dem die Politiker rund um den Premier sich um (persönliche) Schadensbegrenzung bemühen, solange die Partei noch nicht gänzlich zusammengebrochen ist.”
“… die PDL stellt eine übergroße Zahl von Vollidioten auf die Bühne, zu denen sich vereinzelt, Diebe, wirkliche Politiker und Anwärter auf diese Posten gesellen”
Auch das Faktum, dass Berlusconi seine Ferien in der Nähe Roms verbringen wird, anstatt wie im Vorjahr auf Villa Certosa wilde Feste zu feiern, zeigt dessen momentane Schwäche und Vorsicht.
Und das Gefühl der Umzingelung ist durchaus real, zusammen mit der berechtigten Angst, dass weitere Funktionäre auspacken würden und die Rechenschaftsberichte des Ministerrats offenlegen könnten.
Nach Zwistigkeiten mit dem Chef der Alleanza Nazionale, Gianfranco Fini, Koalitions- und Bündnispartner, treten auch mit dem Finanzminister Tremonti immer mehr Unstimmigkeiten ans Licht.
Weiters ist da die Lega Nord, wiederum Koalitions- und Bündnispartner, die gedroht hat, die Regierung zu sprengen, sollte ein weiteres Mal die Hineinnahme der UDC Casinis in das Regierungsbündnis in Erwägung gezogen werden. Und zu allem Überfluss gab es noch zahlreiche von den Medien erzwungene Rücktritte in den Reihen der Regierung.
Ein weiteres Damoklesschwert sind die Ermittlungen gegen den Parteikoordinator Verdini, der von eindeutig zu vielen liebevoll ‘Denis’ genannt wird. Im Rahmen der Untersuchungen zur P3 (womöglich Nachfolgerin der Freimaurerloge P2) tauchen weitere Namen aus Bundes- und Landesregierungen auf. So soll der Landeshauptmann der Lombardei Roberto Formigoni Alfonso Marra illegitim zur Berufung zum Präsidenten des obersten Gerichtshof in Mailand verholfen haben.
Und auch ein anderer Landeshauptmann, nämlich der sardische, Ugo Cappellacci, ist in die Ermittlungen zum Ablauf der Vergabe zur Konstruktion von Windkraftwerken verstrickt. Und davor noch schieden die Minister Scajola und Brancher aus der Regierung aus. Und dann noch die Meinungsumfragen aus denen eine große Unzufriedenheit mit der derzeitigen Regierung hervorgeht.
Nicht einmal mehr die Notbremse Nummer 1 in Form der Schuldzuweisung an die Justiz kann die Wähler beruhigen. Eben diesen so treuen Wählern gehen nach und nach die Argumente aus, weswegen sie sich der Faszination der Wahrheit weiterhin verschließen sollten.
So kann man im Forum des Popolo della Libertà Kommentare verzweifelter Wähler lesen:
“Wir einfachen Wähler brauchen Argumente mit denen wir gegen die Beschuldigungen ankämpfen können, die in jeder politischen Diskussion auftauchen.”
“Mit Fauxpas und durch schlechte Berater scheint die PDL jedes Mal, wenn sie die Wahlen gerade gewonnen hat, mit allen Mitteln zu versuchen, diese wieder zu verlieren
“Anders als noch vor ein paar Jahren werden die Funktionäre nicht mehr aus den Jungparteien rekrutiert, sondern stattdessen irgendwelche Leute, die vielleicht in ihrem Metier gut waren, in die Regierungsbank gesetzt. Wo soll das hinführen? Was haben wir davon?”
“sie sind auch für ihre Wähler kein gutes Vorbild mehr.”
Wie immer sind Ablenkungsmanöver das Mittel der Wahl:
Am Montag wird Berlusconi übrigens von der Bürgermeisterin Moratti in Mailand geehrt. Anschließend soll Berlusconi an der Seite von Charles Aznavour etwas zum Besten geben. Er war ja ursprünglich Entertainer auf einem Kreuzfahrtschiff, bevor er ins Baugeschäft einstieg.
In Anbetracht seines Auftritts meinte Vittorio Feltri: “Sing, damit die schlechte Laune vergeht.”
Ich bin neugierig auf eure Kommentare und Fragen! Dieser Artikel ist ein guter Anfang, da er viele Namen und Fakten behandelt, die wir bald vertiefen können!
Da ich in Italien lebe und mich tagtäglich mit diversen Zeitungsartikeln beschäftige (von den von Journalisten geschriebenen Büchern abgesehen), Italienisch in Wort und Schrift gut beherrsche und mich Journalismus sowieso sehr interessiert, liegt die folgende Idee recht nahe.
Ich werde ab heute Artikel aus italienischen Zeitungen in eigenen Worten auf Deutsch wiedergeben und diese kurz für euch kommentieren. Das soll Euch die Möglichkeit geben nicht nur meine persönlichen 4 Wände und mein tun zu verfolgen, sondern Euch auch zeigen was in meiner (nicht ganz direkten aber dennoch) Umgebung abläuft. Weiters kann man von der Art und Weise, wie Zeitungen geschrieben sind, sehr gut über das Land und deren Einwohner mehr erfahren.
Ich habe das Einsteigen in eine neue, noch dazu fremdsprachige, Zeitungswelt als nicht ganz leicht empfunden, da doch sehr viele Abkürzungen und sonstige länderspezifische Ausdrücke gebraucht werden, deren Bedeutung man als Aussenstehenden nicht kennen kann. Dieses Problem wird also anfangs auch Euch bevorstehen. Bitte lasst euch dadurch nicht abschrecken und erfragt stattdessen einfach in Form eines Kommentars eine Erklärung. Ich freue mich immer über Kommentare und werde Euch eure Fragen gerne beantworten.
Diese Gelegenheit möchte ich auch dafür nützen, die mittlere Länge der Artikel zu Kürzen. Wie Euch sicher aufgefallen ist, tendiere ich dazu wenige und dafür lange Artikel zu schreiben. Diese haben einerseits den Nachteil viel Zeit für Recherche und Formulierung in Anspruch zu nehmen und andrerseits oft einfach nicht fertig zu werden. So kommt es dann dazu, dass ich selten oder gar lange Zeit über nichts schreibe, da mir die Artikel einfach nicht gut, oder nicht vollständig genug erscheinen und sie auf Ewigkeiten als ‘Draft’ unsichtbar für euch liegen, und mich dann nicht mehr brennend genug interessieren, um sie fertigzustellen und dann zu publizieren.
Da ich jedoch dazulernen möchte und euch Neuigkeiten und Unterhaltung bzw. Information liefern möchte, werde ich von nun an die ‘Perfektion’ einmal hintan stellen und dafür die Frequenz erhöhen.
Mein Ziel ist es, jeden Tag zumindest einen Artikel aus einer italienischen Zeitung wiederzugeben und diesen dann mit einem kurzen Kommentar oder einer kurzen Erklärung zu versehen! (Steigerungen sollten leicht möglich sein, auch wenn ich mich für den Moment auf einen Artikel beschränken werde)
Wie bei jedem Blog, werde ich auch bei diesem, vom Recht der Subjektivität Gebrauch machen und in meinen Kommentaren meine persönliche Meinung wiedergeben.
Ich wünsche gute Unterhaltung und freue mich auf euer Mitwirken.
… nicht aufklaubt ist unzivilisiert! (Spruch des Tages!)

Heute gebe ich euch Einblick in das, was hier condominio heißt. Einerseits ist das die Hausgemeinschaft und andrerseits sind das auch die Betriebskosten. Die Hausgemeinschaft hat immer einen amministratore, der der Hausgemeinschaft vorsteht. Er ist Ansprechperson bei Problemen die das Haus bzw. die Hausgemeinschaft betreffen, und verwaltet auch die gemeinsamen Ausgaben. (z.B riscaldamento centralizzato - Zentralheizung)
Weiters gibt es den portiere. Dieser sitzt zwischen 8 und 12 bzw. am Nachmittag zwischen 15 – 19h in seiner Portiersloge und wacht, wer eintritt. In diesen Zeiträumen ist das portone geöffnet, und auch wenn man einen Schlüssel hätte, müsste man nicht aufsperren.
Eine weitere Aufgabe des portiere ist das Einheben des condominio (Betriebskosten), bzw. der bollette del riscaldamento (Heizungsabrechnung)am Monatsanfang. Dazu kommt noch die Tätigkeit des internen Postboten. D.h. der Postbote kommt zu ihm und liefert die Post ab. Briefe, Postkarten, einfach alles! Und auch eingeschriebene bzw. Express-Pakete. Diese werden nämlich kurzer Hand von diesem unterschrieben. Verteilt wird die Post dann im Laufe des Vormittags vom portiere persönlich
Der große Vorteil dieses Service ist, dass man keine Angst ZU haben braucht, die Post zu versäumen und dann die Pakete im ufficio postale (Postamt) abholen ZU müssen. Wenn ich zurückdenke, hat er bei den zwei Megapaketen allerdings gleich mit dem Postler angeläutet, und sie nicht selbst ausgetragen. Unterschrieben hat er allerdings.
Allerdings ist nicht nur der portiere aufmerksam. Auch die anderen Hausbewohner (condominio) sind misstrauisch und lassen nicht jeden hinein Heute Samstag war ich wiedereinmal in der Villa Ada laufen. Einfach um den herrlichen Tag, die Sonne ist schon richtig angenehm warm auf der Haut, zu nützen. Außerdem bin ich vom vielen vor-dem-Computer-sitzen etwas Steif und weiß aus Erfahrung, dass Laufengehen eine gute Therapie für mich ist.
Als ich also von einer herrlichen corsa (Jogging, eigentlich der Lauf) nach Hause komme, und vor die Haustür (portone) trete, ereignet sich folgendes: den Schlüssel ins Schlüsselloch steckend, sehe ich mir aus dem Flur eine Dame entgegenkommen und verhoffe. Da die Leute sonst sehr nett sind, hoffte ich, sie würde mir zuvorkommen, sodass ich mir das Aufsperren ersparen könnte. Doch es kam anders. Zwischen Flur und portone gibt es eine Glastüre die, wie eigentlich immer, offen stand. Mich erblickend und dann fixierend, schloss die Dame ebendiese hinter sich und wartete (zwischen uns war also nurmehr das portone). Etwas verwundert aber weiterhin entschlossen in MEIN Haus einzutreten , schloss ich also todesmutig die Türe auf und trat ein. Die Dame ließ ihre Augen nicht mehr von mir und als wir uns dann gegenüberstanden, schoss sie mir ein ‘ma Lei, dove va?’ (wo wollen denn SIE hin?) entgegen. Ich musste mir das Lachen verkneifen und meinte “io, abito qua” (ich wohne hier) auf die Wohnungstüre zeigend. Schon freundlicher meinte sie ’non le avevo mai visto’ (Ich habe sie (hier) noch nie gesehen) nach. Ihre, wenn auch sehr versteckte Entschuldigung annehmend, beschwichtigte ich mit ‘anche se da poco tempo’ (wenn auch erst seit Kurzem), und ging Richtung Wohnungstüre. Wie ich merken konnte, war ihr Mistrauen wie weggeblasen, da sie nicht einmal kontrollierte, ob ich auch wirklich meine Wohnungstüre aufsperre.
Dabei habe ich so lieeeeb geschaut

Wie ihr vielleicht aus vorigen Postings von Anfang bis Mitte Februar, in denen ich meine Wohnungssituation beschrieben habe, wisst, gibt es in meiner/unsrer Wohnung 2 Badezimmer. Da wir nur zu viert sind, ist das durchaus als komfortabel anzusehen und sprach u.a. nach meiner Besichtigung dafür, diese Wohnung zu nehmen.
So wie in vermutlich jeder Mietwohnung, gibt es immer etwas worauf man erst nachher draufkommt. In diesem Fall war es die nicht-Funktion einer Dusche (die andere vom typ Badewanne). Das heisst sie wäre eingeschränkt funktionstüchtig gewesen. Der Schlauch war an einem Ende löchrig (typischer Riss am Knick des oberen Endes, also bei der Brause). Das zweite Problem war die Armatur. Deren Dreh-Senk-Funktionalität dahingehend beeinträchtigt war, dass der dafür vorgesehene Hebel locker war, und bei unsachgemäßer Verwendung aus der Armatur gen Duschwanne fiel. (Habe gottseidank nur gehört, dass das Ding am Fuß durchaus wehtun konnte.
Speziell Martim (ein Mitbewohner) hatte immer gemeint, er hätte gern eine funktionierende Duschkabine, da er sonst dreimal solange braucht in der Früh. Wir 3 anderen hatten uns irgendwie damit abgefunden gehabt, und waren froh, dass wenigstens die eine funktioniert. Aber Martim gab keine Ruhe damit (und ich bin froh darüber), und schaffte es schließlich auch mich dafür zu gewinnen, das Problem in die Hand zu nehmen.
Wir probierten also fürs Erste den Schlauch auszutauschen. Ein neuer war schnell gekauft. Als wir uns allerdings ohne ausreichende Ausrüstung (statt Franzose, 5 Finger pro Hand usw.) an das Auswechseln machten, waren wir mit unserem Latein schnell am Ende und mussten nach einem Lockerungversuch mithilfe von Essig (auch in Rom ist das Wasser verdammt kalkig), w.o. geben.
Wir waren beide leicht gedemütigt, dass wir das nicht zusammengebracht hatten, gaben aber trotzdem nicht auf und entschlossen uns einen Installateur (vorallem für die Armatur) zu Rate zu ziehen. Doch woher nimmt man so schnell einen Installateur? Die sichere Variante wäre wohl das Telefonbuch gewesen, das zwar nicht mehr selbstverständlich aber in unserem Haushalt wieso auch immer vorhanden ist. Daran hatte ich aber vermutlich aus obiger nicht-Selbstverständlichkeit nicht gedacht. Also machte ich mich in der Umgebung auf die Suche und siehe da, einmal einfach so vor mich hinspazierend fand ich ein annuncio von einem arbeitswütigen Installateur.
Martim, dem das Projekt nachwievor eine Spur wichtiger war, rief also dort an. Der Installateur tauchte wenige Stunden später auf und sah sich das Problem an. Er tauschte den Schlauch in Nullkommanix aus. Er hatte auch die richtige Ausrüstung. Die Armatur wollte er erst am nächsten Tag tauschen, da er die Ersatzteile nicht dabei hatte.
Er kam am nächsten Tag dann und tauschte uns den kaputten Hebel durch einen anderen aus, der aber nicht genau passte. Er wollte schon die ganze Armatur austauschen. Das scheiterte allerdings an unserem nicht-Auffinden des Absperrhahns. Jetzt haben wir also eine funktionierende Dusche, solange das Provisorium hält. Es wirkt aber recht stabil. Ich konnte die ‘neue’ Dusche heute schon ausprobieren
Ich mache ja gerne auf die Unterschiede aufmerksam, also die unterschiedlichen Methoden die die Menschen in den verschiedenen Ländern nützen um das Gleiche zu erreichen. (Beispiele gibt es hier einige, wie unlängst die ‘Fahrkartenkontrolle alla Romana’) Ich hoffe es ist allen klar, dass ich damit die Völkerverständigung vielmehr fördern als hemmen möchte. Solche Geschichten schreibe ich immer mit einem leichten Augenzwinkern, weil sie für mich am Anfang einfach so ungewohnt sind, und mich dadurch erheitern. Und so hoffe ich, dass ich auch euch zum Schmunzeln bringe und euch vielleicht ein wenig mehr Verständnis für die italienische Lebensart gebe.
Auf diese schöne Einleitung bin ich gekommen, da ich heute auf eine Gemeinsamkeit der verschiedenen Kulturen hinweisen möchte. Es ist der Umgang mit der Politik in komödianten Vorträgen. Ich habe in letzter Zeit oft Beppe Grillos Blog erwähnt, da er für mich im Moment ein wichtiges Medium ist, um mich in italienischer Politik weiterzubilden.
Der Blog ist eine Quelle des Wissens und besonders die Beiträge von Marco Travaglio, der in gänzlich trockener Art*, die aktuellen Wendungen in der italienischen Politik und deren Hintergründe beschreibt, bringen mich immer wieder zum Schmunzeln und Nachdenken.
* für italienischen Humor meiner Meinung nach untypisch, deswegen keine wirkliche Satire
Aber worauf ich hinauswollte war eigentlich das auch Beppe Grillo ursprünglich ein Comedian war. Ich habe mir eines seiner Programme zur Gänze angesehen. Auch in diesen drehte sich alles um Politik, liste pulite, destra, sinistra. Mit einem Wort, Politik bringt zum Lachen, auch wenn einem dieses ab und zu im Hals stecken bleibt. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass Beppe Grillos keine Satire ist, sondern sondern beinharte Wahrheit.
In Österreich zum Beispiel gibt es Dorfers Donnerstalk, der sich auf ähnliche Weise über die Unfähigkeit der österreichischen Politiker lustig macht und auch damit sein Publikum zum Lachen bringt. Auch sein Humor ist ein sehr trockener, wobei er die kleinen oder auch größeren Mißgeschicke gekonnt, mit kleinen satirischen Bemerkungen gewürzt serviert.
Auch in Nordamerika gibt es einen Comedian (d.h. es gibt viel mehr, aber dieser gefällt mir besonders gut), der die Politiker durch den Kakao zieht. Er nennt sich Stephen Colbert und hat seine eigene Show ‘The Colbert Report’ auf Comedy Central.
Alle drei Komiker kann man im Internet verfolgen und sich so auf lustige Art und Weise über die Politik am Laufenden halten. Je mehr man über die Politik der einzelnen Regierungen/Oppositionen und deren Politiker weiß, desto lustiger ist es natürlich. Das diese Beiträge nicht ganz ungefärbt sind ist dabei ebenso logisch, wie die teils persönlichen Untergriffe. Ersteres ist aber auch bei diversen Zeitungen nicht ganz unüblich (um nicht zu sagen: IMMER der Fall)
Wobei sich da die Italiener meiner Erfahrung nach am Meisten aus dem Fenster lehnen dürfen, was aber, kennt man das Niveau auf dem Berlusconi über politische Gegner herzieht, nicht verwundert. Mein liebster Kabarettist hier in Italien, von dem man in letzter Zeit ja leider nur wenig hört, ist Roberto Benigni. Euch ist er vermutlich eher durch Filme wie ‘La vita è bella’ oder ‘la tigre e la neve’ bekannt. Hier hingegen sind auch seine Programme beliebt und bekannt! Durch das Ansehen seiner Kabaretts habe ich meine erste Bekanntschaft mit der italienischen Politik gemacht. Eine seiner besten Vorstellungen war bestimmt ‘la lettera di scusa a Berlusconi‘ den er beim Auftritt 2005 in Adriano Celentanos Rockpolitik mit ebendiesem schrieb.
Damit ihr euch einige Ausschnitte der einzelnen Kabarettisten ansehen könnt, anbei eine Linkliste:
- R. Benigni, lettera di scusa, http://www.youtube.com/watch?v=kZNnX1h4IAk
- B. Grillo, incantesimi, http://www.youtube.com/watch?v=YVHAnppV_Bg
- A. Dorfer, ‘Dorfers Donnerstalk’, **, http://www.youtube.com/watch?v=iI76HVbImr4
- A. Dorfer, besonders gut der Teil über die Misere der SPÖ, http://www.youtube.com/watch?v=pDDG05jM95g&feature=related
- S. Colbert, ‘The Colbert Report’, http://www.colbertnation.com/video, nur manche bzgl. Politik
* tvthek.orf.at, leider noch nicht verfügbar, aber auf derstandard.at bereits angekündigt.
Ich fürchte, dass man aller 3 Sprachen mächtig sein muss, um den Programmen folgen zu können. Doch ich hoffe, dass im Italienischen zumindest die Art des Humors, die Überzeichnung und Erklärung des Witzes, klar wird. Sonst kann ich auf Anfrage auch Beispiele bringen. Vielleicht in einem weiterführenden Artikel. Bei genauem Zuhören erkennt man auch die verschiedenen Arten Witze zu machen und Pointen zu präsentieren. Wenn Dorfer so wie z.B. Benigni über seine eigenen Witze lachte, wäre die Show glaube ich unsrerorts nicht so beliebt.
Liebe Grüße und Frohe Ostern (jedem wie er/sie es möchte)
Johannes
Nach soviel Politik und Ernst des Lebens, behandle ich heute wieder einmal ein humoristisches Kapitel aus meinem Leben in der italienischen Hauptstadt. Auch in diesem Artikel geht es wieder einmal um die Öffentlichen, ohne die ich hier nirgends hinkäme! Zuerst möchte ich also sagen, dass ich froh bin, dass es sie gibt, und dass sie, ausser wenn gerade wieder einmal sciopero ausgerufen wurde, doch recht zuverlässig funktionieren!
Nun jedoch zum Thema Fahrscheinkontrolle. Auch wenn es mir in Österreich nur EINMAL passiert ist, knöpften sie mir in Graz doch schon einmal 50€ für ein Ticket ab. Das war natürlich genau zwischen 2007 und 2008, wo ich im Ganzen 2 Wochen in Österreich war Ich kam mit dem Zug an, hatte einen schweren Koffer, der Bus war ‘gsteckt’ voll. Dachte mir also, da kontrollieren sie bestimmt nicht! Und logischerweise haben sie in genau diesem Bus kontrolliert. Und zwar folgendermaßen:
4 wenig unauffällige, aber doch zivil gekleidete Kontrolleure steigen ein. Bei jeder Tür einer bzw. bei einer zwei. Dann gehen sie durch den ganzen Bus und jeder der Kontrollore kontrolliert in seinem Umkreis. Im Endeffekt sollten also alle kontrolliert worden sein, auch jene die aussteigen. Es gibt also, außer durch die kühne Auslegung des ‘Sie dürfen mich nicht festhalten’ Paragraphen im Gesetz xy, kein entrinnen.
In Rom läuft das anders. Ich bin bereits 3 Mal kontrolliert worden, hatte aber immer mein Monatsticket dabei. Dafür zahlt man 30€ (Studenten 16€ – #¢§&*) und es zahlt sich doch sehr bald aus, zumindest, wenn man kein Auto, Moped oder einen anderen fahrbaren Untersatz hat. Die Kontrolleure hier, nehmen ihre Aufgabe aber eben ein bisschen lockerer wahr.
Schon beim Anfahren einer Haltestelle sieht man sie in einer 4er-Gruppe, alle in Uniform, tratschend in einem Kreis stehen. Der Bus bleibt stehen, sie steigen ein. (ab und zu sogar bei 2 Eingängen ) Sie stellen sich breitbeinig hin und führen ihre Konversation für zumindest 3 Minuten fort. Während dieser Zeit kann man eine doch eindeutige Mobilmachung der Fahrgäste ohne Ticket erkennen. Diese streben Richtung Entwerter und retten sich so vor dem Aussteigen müssen (bevor sie kontrolliert werden konnten), zu dem wirklich ausreichend Zeit wäre. Ist die erste ‘Sturm und Drang’-Phase vorbei, beginnen die Kontrolleure in absoluter Ruhe in zwei Richtungen die Fahrscheine zu kontrollieren. Man könnte glauben, zu diesem Zeitpunkt könnten sie niemanden mehr ohne gültiges Ticket geben, doch weit gefehlt. Es gibt einfach ein paar Unbeirrbare, die träge in ihren Sitzen verharren, bis sie kontrolliert werden und dann trotzdem oder gerade deswegen völlig Fassungslos auf die Kontrolle reagieren.
Was mir daran so gut gefällt, ist, dass sich hier offensichtlich die Kontrolleure an die Faulheit der Passagiere angepasst haben. Würden sie, wie bei uns kontrollieren, würden sie jedes Mal 10 Leute und mehr erwischen, so decken sie maximal 2 oder 3 auf. Wenn sie jedoch bei uns, so wie hier kontrollieren würden, wäre das ganze Unternehmen sinnlos, da bis sie kontrolliert hätten, die eine Hälfte der Schwarzfahrer bereits ausgestiegen wäre und die Andere, im Besitz einer Notfalls-Fahrkarte wohl schon entwertet hätte. Das wäre also irgendwie kein Gleichgewicht
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